„Die Haut braucht Training.“ (Interview)

Ein Bad in der Sonne bedeutet Wärme, Wohlfühlen und Lebensfreude für uns. Ihre ungeheure Kraft kann jedoch auch zur Gefahr werden. Darüber, was aus medizinischer Sicht zu einem Sonnengenuss ohne Reue notwendig ist, sprach Dr. Andreas Leistikow, Chefredakteur der `markt intern`-Ausgabe Parfümerie/Kosmetik, mit Dr. Lara Just-Kovac und Dr. Alberto Peek, Plastische und Ästhetische Chirurgen in der Privatpraxis für Plastische und Ästhetische Chirurgie in Frankfurt.

`markt intern` (`mi`): Die Kraft der Sonnenstrahlen soll in den letzten Jahren enorm zugenommen haben. Stichworte sind hier das Ozonloch und der Klimawandel. Wie viel Sonneneinstrahlung sollte sich der Mensch aussetzen?

Dr. Alberto Peek: „Das Ozonloch ist bei feuchter Hitze nicht so schlimm, nur bei trockener Hitze wie beispielsweise in Australien. Meiden sollte man bei starker Sonneneinstrahlung lediglich die Mittagshitze. Insgesamt sollte der Mensch viel, so viel wie möglich in der Sonne sein. Die Sonne ist wichtig für unsere Gesundheit und unser Allgemeinbefinden, da sie die Vitamin-D-Produktion und die Produktion des Hormons Serotonin anregt, das wichtig für unseren Schlaf-Wach-Rhythmus ist. Sie fördert auch die Produktion von Wachstums-Hormonen, weil UV-Licht ganz allgemein den Stoffwechsel aktiviert.“

`mi`: Was kann der Sonnenhungrige Ihrer Meinung nach für den Schutz seiner Haut tun?

Dr. Lara Just-Kovac: „Die Basis sollte die Eigenpflege, nämlich die Kosmetik der Haut sein. Das Bewusstsein für die Pflege der Haut ist ein wichtiger Faktor beim Sonnenschutz. Der Zusammenhang zwischen Pflege und Hauterkrankungen wird auch deutlich, wenn man auf die Pflegegewohnheiten der Männer schaut. Die Männer pflegen ihre Haut seltener und weniger intensiv als die Frauen und erkranken wesentlich häufiger an einem Melanom als die Frauen, was auch für die sonnenbeständigen Hauttypen gilt.“

`mi`: Die Menschen zeigen durch entsprechende Aufklärung zunehmend einen vernünftigen Umgang mit der Sonne. Warum hören wir dennoch von einer Zunahme von Hautschäden bis hin zum Hautkrebs?

Dr. Alberto Peek: „Wir als Ärzte sind das Ende der Fahnenstange. Zu uns kommen die Menschen, wenn die Schäden intensiv geworden sind, um sich behandeln zu lassen. Viele Schäden, zum Beispiel Collagenschäden, die wir beheben, resultieren aus einem unvernünftigen Umgang mit der Sonne, der bis zu 30 Jahre zurückliegen kann. Das sind zum Teil Sünden aus der Jugend. Die Sonne kann aus medizinischer Sicht negativ, aber auch positiv auf die Haut wirken. Pickel oder Rosazea können ausgelöst werden. Akne bessert sich in der Regel dagegen bei Sonneneinstrahlung.“

`mi`: Gibt es eine Faustregel für den Sonnengenuss?

Dr. Lara Just-Kovac: „Unser Ratschlag ist, gepflegt und vernünftig in die Sonne zu gehen. Gehen Sie an die Luft, um am Licht zu sein. Es gibt nicht umsonst die Winterdepressionen. Lassen Sie sich nicht davon abhalten, in die Sonne zu gehen. Die Haut braucht Training wie ein Muskel. Sie können die Haut nicht komplett wegsperren. Sie müssen sie durch Außeneinwirkung kräftigen. Mit der Haut ist es wie mit jedem anderen Organ auch, man muss sie trainieren, dann wird sie widerstandsfähiger. Dabei ist der Mittelweg zwischen Vermeidung und Forcierung direkter Sonneneinstrahlung der richtige Weg. Gerade heute, wo man so viel zum Schutz vor der Sonne tun kann.“

 

Leave a Reply